Wieder Probleme beim Zentralabitur
Weil Würfel-Beispiele in der Stochastik eigentlich zum ganz Einfachen gehören, konnte bei der Würfel-Aufgabe im NRW-Zentralabitur 2010 nicht viel schief gehen - das sollte man meinen. In der Tat gab es an drei Aufgabenteilen auch kaum etwas auszusetzen. Aber der Aufgabenteil c hatte es in sich: Formulierungen, die bewährtem statistischem Sprachgebrauch widersprechen und folglich verwirren mussten, Nebensatzkonstruktionen an der Grenze der Verständlichkeit, eine unsinnige Formulierung - und dann noch in der sogenannten CAS-Version der Aufgabe eine fehlerhafte Vertauschung von Nebensätzen, deren Klärung dann bei laufender Klausur nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer zum Nachgrübeln brachte. "Nichts, was in dieser Aufgabe eigentlich verlangt wurde, war unangemessen. Aber die Aufgabenstellungen bei Teil c in solch einer Form darzustellen, das ist verwirrend und eine Zumutung für Schüler wie Lehrer", erklärt Diepenbrock. Der Mathematikprofessor wundert sich: "Merkwürdig nur, dass trotz eines mehrstufigen Kontrollverfahrens beim Ministerium und trotz der Mitwirkung der unabhängigen Kommission das Endergebnis bei einer Aufgabe so aussieht!" Allerdings, so Diepenbrock weiter, stelle die Aufgabe gegenüber der von Experten als unsinnig bezeichneten "Basketball-Aufgabe" aus dem Zentralabitur 2008 schon einen Fortschritt dar.
Damals hatte Diepenbrock gemeinsam mit drei weiteren Professoren aus Essen, Dortmund und Bochum nachgewiesen, dass die im Bereich der mathematischen Stochastik gestellte Aufgabe durch die vollständige Vermischung zweier getrennter statistischer Begriffe unsinnig und damit unlösbar war. In ihrem offenen Brief erklärten die Wissenschaftler, dass die mathematischen Stochastik in den vergangenen Jahren durch die verbindliche Aufnahme in den Lehrplan im Mathematikunterricht zunehmend an Bedeutung gewonnen habe und in allen Mathematik-Lehramtsstudiengängen der Ruhr-Universitäten zum Pflichtbereich gehöre. Die Bemühungen der Universitäten, Lehramtsstudierenden wissenschaftlich einwandfreie Stochastikvorlesungen anzubieten, die später zu einem verbesserten Unterricht in den Schulen führen sollten, so die Wissenschaftler, würden durch die Erstellung unsinniger Aufgaben seitens des Ministeriums konterkariert.
Damals konnten die Abiturienten die Klausuren wiederholen. Und im September 2008 richtete dann das Schulministerium eine "Unabhängige Kommission zur Qualitätssicherung von zentralen Prüfungen" ein - angegliedert am Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund.
Lebenbrücke e.V.
Der Stimmzettel zum Volksentscheid
Der Stimmzettel für den Volksentscheid am 18. Juli 2010 über die Schulreform geht jetzt in den Druck. Das gab Landesabstimmungsleiter Willi Beiß heute bekannt, nachdem die Bürgerschaft in ihrer Sitzung am Mittwoch einen Gegenvorschlag zum Vorschlag der Volksinitiative "Wir wollen lernen!" beschlossen hat.Die Abstimmungsberechtigten können über zwei Vorlagen entscheiden. Beide Vorlagen sind auf dem Stimmzettel abgedruckt, sodass die Abstimmenden ihre Entscheidung in Kenntnis des Inhalts der jeweiligen Vorlagen treffen können. Die Abstimmungsfrage kann jeweils mit "JA" oder " NEIN" beantwortet werden. Hierfür sind auf dem blauen Stimmzettel entsprechende Ankreuzfelder vorgesehen.
Alle rund 1,2 Millionen Abstimmungsberechtigten erhalten den Stimmzettel zusammen mit den Briefunterlagen ab Ende Mai zugeschickt und können den Stimmzettel dann sofort ausfüllen und kostenfrei zurückschicken. Sie brauchen also nicht bis zum Abstimmungstag zu warten, der in den Sommerferien liegt.
Was Hauptschüler fühlen und Viertklässler fürchten
Der Film wirkt bestechend ehrlich. Eine Umfrage unter Schülern gewährt Einblick in das Selbstverständnis von Hauptschülern und die Vorurteile, die ihnen entgegenschlagen. Wie sie sich gefühlt hätten, als sie zur Hauptschule gehen sollten? "Da hab' ich mich dumm gefühlt", sagt einer. "Ich war enttäuscht, weil ich höhere Ziele hatte", eine andere. Er habe Angst gehabt, "dass es Schlägereien gibt – aber hier gibt's ja gar keine", stellt ein dritter schlicht fest. Mit ebenso ungekünstelter Selbstverständlichkeit erzählen Jugendliche, dass man auch als Hauptschüler eine gute Arbeit finden kann, dass sie an der Schule keinen Rassismus erleben, sagen "Ich mag meine Schule", oder: "Die Lehrer sind für einen da, wenn man sie braucht."
Befürchtungen genau getroffen
"Die Schüler haben alles selbst gemacht, haben Ideen entwickelt, umgesetzt, gefilmt, den Ton gemacht", sagt Lehrerin Simone Kaiser-Gülicher. Besonders wichtig war ihnen, die Themen "Gewalt" und "Drogen" einzubringen, betonen sie selbst. "Da gibt es die meisten Vorurteile, zum Beispiel, dass es Drogendealer auf Schulhöfen gibt", so Bernd (17): "Stimmt aber nicht."
Erste Reaktionen kleiner Zuschauer seien überaus positiv gewesen, sagt Kaiser-Gülicher: "Wir haben genau ihre Befürchtungen getroffen." Für die Finanzierung des Filmprojektes sprang die PSD-Bank ein, die Herz-Apotheke und die Gärtnerei Schlößer schossen kleinere Summen für eine Fahrt zu einem Medienhaus in Münster zu.
Schulobst ist 100 Gramm Gesundheit
Man habe die Jury mit einem „fundierten Gesundheitskonzept“ überzeugen können, sagt die Bergheimer Rektorin Camilla Dormagen. „So eine Aktion muss einen Rahmen haben, der zeigt, dass es auch wertgeschätzt wird. Sonst verpufft das.“ Auch Rektorin Andrea Martini-Heckhoff in Rumeln berichtet von vorhergegangenen Projekten wie der „Aktion Gesundes Frühstück“ und Bewegungsprogrammen.
Wird also denen gegeben, die eigentlich längst im Thema sind? Nein, sagt Heckhoff: Auch im beschaulichen Kaldenhausen, wo scheinbar die Welt noch in Ordnung ist, gebe es Kinder, „die kennen das einfach nicht“. Entsprechend wichtig seien solche Projekte: „In der Gemeinschaft, und wenn es nett angerichtet ist, neigen gerade diese Kinder eher dazu, es wenigstens mal zu probieren.“
An beiden Schulen unterstützt eine Zwei-Euro-Jobberin die Schüler beim Zubereiten und Verteilen des Obstes. Auf dem Berg konnte Konrektorin und Organisatorin Ursula Tiedemann außerden zwölf Mütter ins Boot holen, die abwechselnd mit anpacken.
Kein Zucker bitte
Weil alles seine Ordnung haben muss, hält das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz auf der Internet-Seite des Projektes eine „Liste der förderungsfähigen Obst- und Gemüsesorten“ bereit. Aus immerhin 21 Sorten Obst und zehn Arten von Gemüse dürfen die Schulen auswählen.
„Genussfertig verpackte“ Darreichungsformen wie Scheiben, Stückchen oder Direktsaft sind erlaubt, Produkte mit Zucker-, Salz- oder Fettzusatz tabu.
Diese Produkte müssen die Unternehmen im Portfolio haben, wenn sie als Lieferanten für das Schulobst-Programm in Frage kommen wollen. Dazu kommen branchenübliche hygienische und buchhalterische Auflagen, „aber im Prinzip konnte jeder, der mit Obst und Gemüse handelt, die Aufnahme in die Liste beantragen, vom Großhändler bis zum Supermarkt“, so Ministeriums-Sprecher Wilhelm Deitermann. „Vorausgesetzt, er war bereit, zum festgesetzten Preis von 28 Cent pro Portion zu liefern.“ Das war im Duisburger Westen offenbar keiner. Nach Vermittlung durch den städtischen Markt-Veranstalter Frischekontor fiel die Wahl auf den Ost-Duisburger Familienbetrieb Nüchter.
Weitere Beiträge...
Seite 2 von 10


